Möchten Sie mal ein paar junge Chemnitzer treffen

Plakat 1Von den Leuten, die sich in den letzten Jahren in Chemnitz engagiert haben bzw. das immer noch tun, wird wahrscheinlich jeder schon mal einen Schlag ins Gesicht bekommen haben, sei es durch utopische Auflagen, politisches Gezerre oder die wirtschaftlichen Interessen der GGG, wie die Beispiele Sommerakademie und ExKa aktuell zeigen. Zwei- oder Dreimal hält man das vielleicht aus, irgendwann ist aber Schluss. Wenn die Stadt „Experimentelles“ fordert (Kulturentwicklungsplan, S. 26 ff.) und dann gut vorbereitete und finanziell abgesicherte Projekte scheitern lässt, hat die Stadt ein grundsätzliches Problem. Mit dem kreativen Leben und den Projekten verschwinden dann auch deren Konsumenten. Was dann noch bleibt, kann sich jeder selbst ausmalen.

Unser Lösungsvorschlag (weitere sind erwünscht):
Neben der allseits geforderten finanziellen Unterstützung wäre auch eine zentrale Einrichtung hilfreich, welche bei der kompletten Projektentwicklung unterstützt und nicht nur allgemeine Hinweise gibt, z.B. bei welchen Ämtern man vorstellig werden soll und welche Formulare auszufüllen sind. Vielmehr ist auch Projektmanagementkompetenz, Vermittlung zwischen den Projekten (z.B. Zusammenbringen von Engagierten, Austausch/Ausleihe von Bühnentechnik zwischen Vereinen usw.) sowie kompetente Fördermittelberatung über städtische Mittel hinaus gefragt. Ob die Fähigkeiten des Kulturbüros dafür ausreichen, war gerade nicht zu ermitteln, da außer ein paar Telefonnummern keine Informationen auf den Internetseiten der Stadt zu finden sind. Die Forderung nach „Experimentellem“ setzt eine experimentierfreudige Verwaltung voraus. Dabei sollte auch der Antragszeitraum für Projekte verkürzt werden. Falls das nicht mit der Haushaltsplanung und anderen städtischen Zwängen zusammenpasst, könnte dies über eine gemeinnützige GmbH mit eigenem Budget und variabler Planung laufen. Für alle, die fehlende Finanzen beschreien: Ein paar Millionen sind leicht zusammen, wenn öffentliche (Bau-)Aufträge professionell geplant, ausgeschrieben und überwacht werden.

Die GGG taugt bei Kulturprojekten nur bedingt als Partner, da sie ja kaum die Inhalte des Kulturentwicklungsplans in ihrer Satzung stehen hat. Kein Wunder, dass sie hier versagt. Ein Wunder, dass dies bislang noch niemanden in der Stadtverwaltung aufgefallen ist.

22 Antworten zu “Möchten Sie mal ein paar junge Chemnitzer treffen”

  1. netzwerk sagt:

    Einen großen Teil der umrissenen Aufgaben soll eigentlich das Netzwerk für Kultur- und Jugendarbeit erfüllen. Bei der gegenwärtigen Ausstattung der betreffenden Stelle mit 12 Wochenstunden, von denen auch noch die Organisationsarbeit der Sommerakademie abgeht, ist das aber nur in Ansätzen zu leisten. Eine deutliche Aufstockung der institutionellen Förderung ist deshalb unerlässlich.

  2. Rico sagt:

    Mit lächerlichen 12 Wochenstunden wird man sicher auch keine Personen finden, welche ihre Fähigkeiten zum Nahezu-Nulltarif einbringen. Irgendwo ist ist beim besten Willen auch ein ehrenamtliches Engagement zu Ende, vor allem wenn auf der anderen Seite gutbezahlte Verwalter das Geld für sinnlose Werbekampagnen rausschmeißen.

  3. Reinhold sagt:

    Teilweise klemmt es nicht mal bei der Finanzierung, sondern das man im “Amt” nicht ernstgenommen wird oder Initiativen einfach verschleppt werden. Eine zentrale Anlaufsstelle die auch was bewegen kann und will, ist auf jeden Fall zu begrüßen.

  4. EinArbeiter sagt:

    Auf eurer Schwesterseite http://www.chemnitz-zieht-an.de finden sich derzeit 42 Stellenangebote. Aktuelle Stellenangebote der letzten 7 Tage: 1x Müll-Lader/-in/Straßenreiniger/-in und 1x Elektroplaner, wirklich an-ziehend, ein wahres Aushängeschild für Chemnitz

  5. EinArbeiter sagt:

    und fast vergessen, 5 Ausbildungsplätze für die jungen Leute gibt’s ja auch noch, wer wird bei dieser Auswahl denn dieser schönen Stadt den Rücken kehren?
    Die Seite sollte Chemnitz sofort abschalten, die schädigt das Image und wird auch noch mit Steuergeld beworben.

  6. Befürworter sagt:

    Ich kann weder am Berufsbild eines Elektroplaners noch an dem eines Straßenreinigers einen Imageschaden für Chemnitz erkennen. Daß von den laut Arbeitsamt derzeit gemeldeten 1555 offenen Stellen nur ein Bruchteil auf der Seite chemnitz-zieht-an gemeldet ist, ist vorrangig das Problem der Unternehmen. Die Grundidee der Seite hat jedoch meine volle Unterstützung.

    • EinArbeiter sagt:

      Nichts gegen die Berufe, aber 2 Stellenangebote in den letzten 7 Tagen sind ein Witz. Neben der tollen Grundidee sollte man vielleicht auf den laufenden Betrieb absichern, bevor man Steuergelder verschwendet. Alles andere ist eine Kopfgeburt und das merken dann auch die Leute von außen -> Imageschaden.

      • Befürworter sagt:

        Das kann man doch mal mit der Standardbegründung “Wirtschaftskrise” durchgehen lassen, oder nicht?
        Ich werde das in nächster Zeit beobachten, in welchem Rahmen sich die neuen Stellenangebote bewegen und ob da ein Aufwärtstrend absehbar ist. Ganz interessant in dem Zusammenhang ist die Statistik zur Bevölkerungsbewegung auf chemnitz. de, auch im Vorjahresvergleich (http://www.chemnitz.de/chemnitz/de/stadt_chemnitz/stadtportrait/zahlen_und_fakten/zahlenfakten_bevoelkerungsbewegung.asp). Im April ergibt sich immerhin ein positives Wanderungssaldo von 3 Personen. Auch noch nicht üppig, aber meine Excel-Tabelle wartet nur auf die Daten der nächsten Monate, um hier (hoffentlich positive) Trends ablesen zu können.

        • Jack sagt:

          3 Personen, cool.
          Im gleichen Zeitraum sind bestimmt 30 gestorben…

          • Lars sagt:

            Ich denke Befürworter geht es nicht um die Gesamte Bevölkerungsentwicklung in Chemnitz, sondern um den Weg- bzw Zuzug. Die Seite heißt ja auch “Chemnitz-zieht-weg” und nicht “Chemnitz stirbt aus” :-) (davon abgesehen sind auch im April 09 weniger gestorben - 43 - als 08).

            Ich finde die Zahlen so schlecht nicht - im April letzten Jahres ein Minus von 279 und diesen Jahr ein Plus von 3…..

  7. matze sagt:

    Vom Experimentellen Karree gibt es jetzt einen Reader mit Beiträgen zum gegenwärtigen Stand des Projektes: http://exka.org/files/exka-reader-0609.pdf

    Außerdem wurde bei der gestrigen Aktion vor dem Rathaus ein Flyer verteilt, dessen Text ich hier mal reinkopiere:

    In den letzten Wochen ist bei uns die aktive Öffentlichkeitsarbeit ein wenig zu kurz gekommen. Dieser Umstand brachte es mit sich, dass unsere Standpunkte in der Presse nur unzureichend dargestellt wurden. Bevor der Stadtrat nun Urlaub macht und das Sommerloch die Erinnerungen verschwimmen lässt, soll hier noch einmal in aller Deutlichkeit gesagt werden:

    Die Objekte, die die GGG als hundertprozentige Tochter der Stadt für diese verwaltet, sind kommunales Eigentum und als solches im Sinne der EinwohnerInnen dieser Stadt zu nutzen.

    Im konkreten Fall des Experimentellen Karrees haben Leute ihre Ideen für die Nutzung der Objekte Reitbahnstraße Ecke Bernsbachplatz klar artikuliert und für die Verwaltung der Häuser mit dem ExKa e.V. eine arbeitsfähige Struktur geschaffen. Auch außerhalb dieser Struktur ist das Projekt auf Wohlwollen gestoßen und hat UnterstützerInnen gefunden.

    Wenn sich, wie hier, der BürgerInnenwille bezüglich der Nutzung des kommunalen Eigentums deutlich ausdrückt, sollte es für die GGG kein Rätselraten über die zukünftige Verwendung der betreffenden Objekte geben. Die stellvertretende Planung seitens der städtischen Gebäudewirtschaft ist hier schlicht überflüssig.

    Die Argumente, die momentan von der GGG gegen das Experimentelle Karree an Ort und Stelle ins Feld geführt werden, halten wir zum Teil für konstruiert, zum Teil sind sie angesichts der Situation, in der sich Chemnitz befindet einfach borniert.

    Es sei hier noch mal hervorgehoben, dass eine einvernehmliche Lösung mit den Privateigentümern der restlichen Objekte des Karrees für uns wünschenswert ist. Jedoch ist unser Projekt keineswegs auf eine solche Lösung angewiesen.

    Umgekehrt ist es uns unverständlich, weshalb ein Kulturprojekt in der Nachbarschaft den Vermietungsabsichten dieser Privateigentümer widersprechen soll. Ganz im Gegenteil finden wir, dass so ein Standort besonders für junge Leute attraktiv ist.

    Sollte das Experimentelle Karree tatsächlich den Verwertungsinteressen der Privateigentümer im Wege stehen, so das Argument der GGG, dann sei angemerkt, dass hier auf der einen Seite Unternehmen auf Gewinn durch Vermietung spekulieren, während auf der anderen Seite Menschen ganz konkret für ihre sozialen und kulturellen Lebensbedingungen in einer schrumpfenden Stadt streiten, die mehr und mehr an Lebensqualität verliert.

    In den unangemessenen Angeboten für Ausweichobjekte, erblicken wir denn auch weniger ein Verständnis für dieses Unterfangen, als vielmehr den Versuch, nervig gewordene Akteure loszuwerden, ohne sich dabei den Skandal einzuhandeln, bürgerliches Engagement vor den Kopf zu stoßen oder Schuld an der Verstreichung von Fördermitteln der Projekte zu tragen.

    Darüber hinaus sind wir sehr über die Geschäftsgebaren der GGG erstaunt, die in Verhandlungen mit dem ExKa e.V. immer wieder den vertraglichen Zwang zur Sanierung ihrer Häuser gegen das Projekt in Stellung brachte, um dann im Gespräch mit VertreterInnen der Stadt einzuräumen, dass so ein Vertrag nicht existiere.

    Wirklich dreist ist es allerdings, mit dem Wissen, dass es sich beim Experimentellen Karree um ein öffentlich gewolltes Projekt handelt, schnell noch so eine Sanierungsvereinbarung einzugehen, um dem konstruierten Zwang einen handfesten entgegenzusetzen zu wollen. (Genaue Informationen hierzu gibt der Beitrag “Konstruieren und Taktieren” in unserem Reader “Zum Stand der Dinge”. Dieser steht auf unserer Webseite zum Download bereit.)

    Da die Gebäudewirtschaft der Stadt also offensichtlich nicht in der Lage oder Willens ist, die partizipativen Bestrebungen der BürgerInnen in ihre Planung einzubeziehen, ist es nun Aufgabe der Politik dieses Defizit zu beheben.

    Der Stadtratsbeschluss, der die Umsetzung des Projektes Experimentelles Karree an Ort und Stelle anordnet, ist der erste wichtige Schritt dahin. Es wäre für die Stadt eine Farce, würde die Umsetzung dieses Beschlusses irgendwo im Verwaltungsaparat versanden.

    Danach sieht es aber im Moment aus und dabei wird deutlich, dass die städtische Administration weder strukturell noch personell auf die Anforderungen eingestellt ist, die sich für eine Stadt ergeben, in der sich das kulturelle Leben aufgrund fehlender Infrastruktur nicht mehr von
    selbst regulieren kann, sondern auf das Mitspielen von Politik und Verwaltung angewiesen ist.

    Den wenigsten Entscheidungsträgern scheint bewusst zu sein, wie groß die Resignation vor allem von jungen Menschen bezüglich einer lebenswerten Perspektive in dieser Stadt ist und wie groß der Frust bei denen ausfällt, die daran etwas ändern wollen aber an der Undurchdringbarkeit des Verwaltungsaparates scheitern.

    Die hohe Abwanderung bleibt indes niemanden verborgen. Und auch dass das soziokulturelle Umfeld, und nicht nur die individuelle wirtschaftliche Lage, hierfür ein ausschlaggebender Faktor ist, wird jedeR unterschreiben. Ein Irrglaube ist es aber, dem vorherrschenden Mangel diesbezüglich mit staatlich geplanter Hochkultur oder sozialpädagogischer Intervention begegnen zu wollen, die mit den Interessen der Menschen nur als statistisch erhobene Daten rechnen.

    Die Stadtpolitik sollte begreifen, dass die Interessen der BürgerInnen nicht nur im Abhaken von Wahlprogrammen deutlich werden, sondern Menschen gelegentlich Ideen umsetzen wollen, auf die sie selbst kommen und die sie selbst für wichtig erachten. Wer das ignoriert, behandelt Menschen als unmündige Verwaltungsmasse.

    Aus all diesen Gründen bitten wir die GGG auch nicht, uns ihre Häuser zu überlassen, sondern fordern sie und die Stadtverwaltung auf, dem Stadtratsbeschluss Folge zu leisten und die notwendigen bürokratischen Maßnahmen in die Wege zu leiten, die die Nutzung der Häuser im Sinne des Experimentellen Karrees ermöglichen.

  8. maximus sagt:

    … und nun ? ist die exka sache vom tisch oder gibt es noch spielräume ?

  9. matze sagt:

    Der öffentliche Druck wird wohl darüber entscheiden, ob die Sache im “Verwaltungsapparat versandet” oder ob Verwaltung/GGG noch einsichtig wird.

    Ohne eine breite Unterstützung der Bürger und/oder der Stadträte sieht es eher schlecht.

    Die Sanierungsabrede der GGG mit einigen Eigetümern des Viertels ist meines Erachtens jedenfalls nicht bindend wirksam, da sie eindeutig gegen den Stadtratsbeschluss verstößt.

    • toadette sagt:

      es ist ein skandal wie hier gegen den willen des bürgers entschieden wird. der stadtrat als vertretung des willens der bürgerschaft hat eindeutig ein “hinwirken” auf die umsetzung des exka mit dem stadtratsbeschluss intendiert. was nun passiert ist nichts geringeres als eine farce, die es zu skandalisieren nicht lohnt, ist die sache an sich doch schon unsagbar. ich hoffe nur, dass medien von den geschehnissen und dieser m.E. trefflichen pressemitteilung ausreichend notiz nehmen, um die kritische gegenöffentlichkeit zu stärken.

    • bürger freund sagt:

      schade das für die kleine demo vorm rathaus ( klo schüssel aktion )zur letzten stadtratssitzung keine werbung gemacht wurde - da hätte man sich doch ein bischen unterstützung von interessierten
      bürgern holen können - also ich hätte gerne vorbeigeschaut

  10. robert ascius sagt:
    28. Juni 2009 um 04:10

    hier ein paar zuträgliche Links zum Thema Brühl:
    BrühlBronxBoulevard rulezzzz!!!!

    GGG_Vorstand während Diskussion im Brühler Delicate + BABALU (Die 3Sätze zur Begrüßung von Frau Seifert GGG !!!unbedingt anhören!!!)

    http://www.megaupload.com/?d=I5GCCZ4P

    Szeneladen Besitzer der RoBoutique zieht aus Chemnitz (Brühl) weg.

    http://www.megaupload.com/?d=G05DV2KF

    Grüße der Robert

  11. dr_d sagt:

    BEWERBUNG

    Hiermit bewerbe ich mich auf eine Stelle als Mülllader bei der Stadt Chemnitz

    Meine fähigkeiten:

    -konservativen Mief aushalten

    -als “gemeinwesenorientierten” eigennutz erkennen

    -brechreizunterdrückungsfähigkeit bei finanzknappheitsgejammer

    -jede Menge Wut auf (ideen-) antiquitätshändler

    -arbeitslos (tschuldigung, wollte sagen: förderfähig)

    m.f.g. dr.d
    -

  12. Hiwibivaule sagt:

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